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wirklich, Schläge und Geschosse. Aber hör zu: kannst du nicht
hören, daß die Worte, die ich spreche, wirklich sind? Höre! Sie
mögen nur Luft sein, aber sie kommen aus meinem Herzen,
aus meinem Mutterleib. Sie sind nicht Ja, sie sind nicht Nein.
Was in mir lebt, ist etwas anderes, ein anderes Wort. Und ich
kämpfe für es, auf meine Weise, kämpfe, damit es nicht
erstickt werde. Ich bin wie eine von diesen chinesischen
Müttern, die wissen, daß ihnen ihr Kind weggenommen wird,
wenn es eine Tochter ist, und beseitigt wird, denn die Not, die
Not der Familie, die Not des Dorfes, erfordert Söhne mit
starken Armen. Sie wissen, daß nach der Geburt jemand ins
Zimmer kommen wird, jemand mit verhülltem Gesicht, und
der wird der Hebamme das Kind aus den Armen nehmen und,
wenn das Geschlecht nicht stimmt, ihnen den Rücken kehren,
aus Feingefühl, und es ersticken, einfach so, indem er die
kleine Nase zudrückt und den Kiefer geschlossen hält. Eine
Minute, und alles ist getan.
Trauere, wenn du willst, wird der Mutter danach gesagt:
Trauer ist nur natürlich. Aber frage nicht: Was ist das Ding,
genannt ein Sohn? Was ist das Ding, genannt eine Tochter, daß
es sterben muß?
Versteh mich nicht falsch. Du bist ein Sohn, jemandes Sohn.
Ich bin nicht gegen Söhne. Aber hast du je ein neugeborenes
Baby gesehen? Laß mich dir sagen, es würde dir schwerfallen,
den Unterschied zwischen Junge und Mädchen festzustellen.
Jedes Baby hat die gleiche gequollen aussehende Falte
zwischen den Beinen. Der Gießer, die Ranke, das, was
angeblich den Jungen kennzeichnet, ist keine große Sache,
wirklich. Sehr wenig, um den Unterschied zwischen Leben und
Tod zu machen. Doch alles andere, alles Unbestimmte, alles
was nachgibt, wenn man darauf drückt, wird ungehört
verurteilt. Ich spreche für dieses Ungehörte.
Du bist es müde, alten Leuten zuzuhören, ich kann es sehen.
Es juckt dich, ein Mann zu sein und Mannesdinge zu tun. Du
bist es müde, dich für das Leben bereitzumachen. Es ist Zeit
für das Leben selbst, denkst du. Was für ein Irrtum! Leben ist
nicht, einem Stab zu folgen, einem Pol, einer Fahnenstange,
einem Gewehr, und zu sehen, wohin es dich bringt. Das Leben
ist nicht um die Ecke. Du bist bereits mitten im Leben.«
Das Telefon klingelte.
»Laß nur, ich werde nicht abnehmen«, sagte ich.
Schweigend warteten wir auf das Aufhören des Klingeins.
»Ich weiß deinen Namen nicht«, sagte ich.
»John.«
John: ein nom de guerre, wenn ich je einen hörte.
»Was hast du für Pläne?«
Er schien nicht zu begreifen.
»Was gedenkst du zu tun? Willst du hierbleiben?«
»Ich muß nach Hause.«
»Wo bist du zu Hause?«
Störrisch starrte er mich an, zu müde, um sich noch eine Lüge
auszudenken. »Armes Kind«, flüsterte ich.
Ich wollte nicht spionieren. Aber ich hatte Hausschuhe an,
die Tür zu Florences Zimmer war offen, sein Rücken mir
zugewandt. Er saß auf dem Bett, die Aufmerksamkeit auf
einen Gegenstand gerichtet, den er in der Hand hatte. Als er
mich hörte, fuhr er hoch und stieß ihn unter die Bettdecke.
»Was hast du denn da?« fragte ich.
»Ach, nichts«, sagte er und sah mich wieder einmal mit
seinem forciert festen Blick an.
Ich wäre nicht weiter in ihn gedrungen, hätte ich nicht
bemerkt, daß ein Stück Scheuerleiste von der Wand abgehebelt
worden war, das nun auf dem Fußboden lag, so daß
unverputztes Mauerwerk zu sehen war.
»Was hast du vor?« sagte ich. »Warum nimmst du das
Zimmer auseinander?«
Er schwieg.
»Zeig mir, was du da versteckt hast.«
Er schüttelte den Kopf.
Ich sah mir die Wand genauer an. Im Mauerwerk war eine
Aussparung, die der Belüftung diente; durch dieses Loch
konnte man unter die Fußbodenbretter greifen.
»Steckst du da irgendwas unter den Fußboden?«
»Ich tu gar nichts.«
Ich wählte die Telefonnummer, die Florence dagelassen
hatte. Ein Kind antwortete. »Kann ich Mrs. Mkubukeli
sprechen?« sagte ich. Schweigen. »Mrs. Mkubukeli,
Florence.«
»Die ist nicht da.«
»Hier ist Mrs. Curren«, sagte ich. »Mrs. Mkubukeli hat mal
für mich gearbeitet. Ich ruf an wegen dem Freund ihres
Sohnes, dem Jungen, der sich John nennt, seinen richtigen
Namen weiß ich nicht. Es ist wichtig. Wenn Florence nicht da
ist, kann ich dann mit Mr. Thabane sprechen?«
Wieder ein langes Schweigen. Dann eine Männerstimme:
»Ja, hier ist Thabane.«
»Hier ist Mrs. Curren. Sie erinnern sich, wir haben uns
gesehn. Ich rufe wegen Bhekis Freund an, seinem Schulfreund.
Sie wissen es vielleicht nicht, aber er ist im Krankenhaus
gewesen.«
»Ich weiß.«
»Jetzt ist er raus aus dem Krankenhaus, oder fortgelaufen,
und ist hier. Ich habe Grund zu der Annahme, daß er
irgendeine Waffe hat, was genau, weiß ich nicht, die er und
Bheki in Florences Zimmer versteckt haben müssen. Ich
glaube, daß er deswegen hierher zurückgekommen ist.«
»Ja«, sagte er ausdruckslos.
»Mr. Thabane, ich bitte Sie nicht, Einfluß auf den Jungen zu
nehmen. Aber es geht ihm nicht gut. Er hat schwere
Verletzungen gehabt. Und ich glaube, er ist in einem emotional
verwirrten Zustand. Ich weiß nicht, wie ich seine Familie
erreichen kann, ich weiß nicht einmal, ob er in Kapstadt
überhaupt Verwandte hat. Er will es mir nicht sagen. Worum
ich Sie bitte, ist lediglich, daß jemand herkommt und mit ihm
spricht, jemand, zu dem er Vertrauen hat und der ihn
mitnimmt, bevor ihm etwas zustößt.«
»In einem emotional verwirrten Zustand. Was meinen Sie
damit?«
»Ich meine damit, daß er Hilfe braucht. Ich meine, daß er
vielleicht nicht verantwortlich ist für seine Handlungen. Ich
meine, er ist schwer angeschlagen, mit dem Kopf. Ich meine,
ich kann mich nicht um ihn kümmern, das übersteigt meine
Fähigkeiten. Es muß jemand kommen.«
»Ich werd sehn.«
»Nein, das reicht nicht. Ich will eine feste Zusage.«
»Ich werde wen bitten, daß er ihn abholt. Aber ich kann nicht [ Pobierz caÅ‚ość w formacie PDF ]

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